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Was bedeutet denn 'restorative justice'?

Dieser Begriff, der sich im Englisch sprachigen Raum wie ein roter Faden durch alle Diskussionen um eine Reform des Strafrechts und den Umgang mit Kriminalität zieht, beschreibt in der Knappheit zweier Worte ein ganzes Gedankengebäude – ins Deutsche lässt er sich leider in dieser Kürze gar nicht oder nur missverständlich übertragen: wiedergutmachende Justiz / wiedergutmachende Gerechtigkeit klingt schwerfällig und lässt zu sehr die Vorstellung einer rein materiellen Wiedergutmachung eines Schadens aufkommen; auch der Notbehelf einer Direktübertragung in ‚restorative Justiz‘ trägt eher zu einer sprachlichen Verschleierung bei.

Im eigentlichen Sinne bedeutet "to restore" ja "wiederherstellen" – "restaurieren". Restauriert werden beschädigte Dinge, man versucht sie wieder in einen akzeptablen, der ursprünglichen Verfassung vergleichbaren Zustand zu bringen. Was soll nun bei ‚restorative justice‘ restauriert werden? Im Englischen verbinden sich mit dem Begriff die Vorstellung, dass durch eine Straftat sowohl ein Opfer als auch die Gesellschaft beeinträchtigt wurde - etwas ist also nicht mehr in Ordnung und somit reparaturbedürftig. Kriminalität wird innerhalb dieses Konzepts nicht als Übertretung einer öffentlichen Regel oder als ein Verstoß gegen eine abstrakte juristisch-moralische Ordnung angesehen, sondern als eine Schädigung des Opfers, eine Beeinträchtigung des friedlichen und sicheren Zusammenlebens in einer Gemeinde. Eine Straftat stellt für die Gesellschaft gemäß dem Konzept der 'restorative justice' eine Herausforderung dar, eine sozio-ethische Art des Umgangs zu finden, dessen primäres Ziel nicht die Bestrafung sondern die Wiederherstellung eines Zustandes ohne Schädigungen darstellt. Die Funktion staatlicher Behörden sollte sich dabei darauf beschränken, die Bedingungen und Grumdlagen füt die Verwirklichung von 'restorative justice' zu schaffen.


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