Justizakademie NRW: Strafrecht - Täter-Opfer

Köln, 08. September 2016

Justizakademie NRW: Strafrecht - Täter-Opfer-Ausgleich

Den Großteil aller Fälle erhalten die TOA-Fachstellen aufgrund der Zuweisung durch die Staatsanwaltschaften im Vorverfahren. Laut der TOA-Statistik der Forschungsgruppe Täter-Opfer-Ausgleich machten die Zuweisungen der Amts- und Staatsanwaltschaften im Jahrgang 2014 72,4 % (n = 6.059) aller Fälle aus. Gleichwohl hat der TOA in der gesamten Praxis der Staatsanwaltschaften und Gerichte nur eine marginale Bedeutung. Entweder ist ihnen der TOA nicht vertraut oder sie haben verschiedene Gründe, wieso sie diesen in ihrer alltäglichen Praxis nur selten oder gar nicht berücksichtigen.

Wie in den Jahren zuvor, veranstaltete die Justizakademie des Landes Nordrhein-Westfalen vom 31. August bis zum 01. September 2016 eine anderthalbtägige Fortbildung für Amtsanwälte*innen, Richter*innnen, Staatsanwälte*innen und Mitarbeiter*innen des Allgemeinen Sozialen Dienstes der Justiz, um ausführlich über den Täter-Opfer-Ausgleich und das Potenzial des § 46a StGB zu informieren. Dabei sollten auch Möglichkeiten der Integration in die alltägliche Arbeit aufgezeigt und diskutiert werden.

Um eine möglichst facettenreiche Auseinandersetzung mit dem Thema zu ermöglichen, boten die Referierenden verschiedene (berufliche) Perspektiven an :

  • Prof. em. Dr. Dieter Rössner (Rechtsanwalt, Tübingen) stellte die rechtlichen Grundlagen des TOA im allgemeinen Strafrecht dar und beschrieb den TOA als einen eigenständigen, sozialkonstruktiven Weg zur Wiederherstellung des Rechtsfriedens.
  • Christoph Willms (Mitarbeiter des TOA-Servicebüros, Köln) vermittelte einen vertieften Blick hinter die Kulissen der Vermittlungstätigkeit und brachte die 'Philosophie' des TOAs zum Ausdruck.
  • Dr. Wolfram Schädler (Rechtsanwalt und Bundesanwalt beim Bundesgerichtshof a. D., Wiesbaden) veranschaulichte die Kompatibilität von Opferschutz und TOA und zeigte Chancen, Möglichkeiten und auch Grenzen des TOA als ergänzende Konfliktlösung bei schweren Straftaten auf.
  • Jacqueline Kempfer (Richterin am Landgericht Marburg) erklärte, wieso der TOA in der richterlichen Praxis - mit Ausnahme seiner Berücksichtigung in der Strafzumessung - bisher nicht existent ist, und gab Impulse, warum und - vor allem: - wie sich daran etwas ändern ließe. 

Das große Interesse der Teilnehmenden an den Referatsinhalten und die daran anknüpfenden - sehr lebendigen - Diskussionen machten ein weiteres Mal deutlich, wie notwendig speziell solche interdisziplinären Fortbildungsangebote sind, um in der Praxis herrschende Unsicherheiten weiter abbauen zu können.

 

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

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