#prison-info 1/19: RJ in der Schweiz

Das Schweizerische Magazin zum Straf- und Maßnahmenvollzug #prison-info widmet sich in Heft 1/2019 dem Stand der Restorative Justice ("Restaurative Justiz") in der Schweiz. Die Praxis einer RJ befindet sich hier in den Kinderschuhen und hat im rechtlichen Kontext erst vor Kurzem einen starken Rückschlag erlitten - seit dem 1. Juli 2019 gelten dort strengere Regeln für die Wiedergutmachung im Strafrecht.

Ein Grund für die Wahl dieses Themenschwerpunkts ist die Empfehlung des Europarates CM/Rec(2018) 8 zu "Restorative justice in criminal matters", die im ersten Beitrag in deutscher Sprache zusammengefasst dargestellt wird. In den weiteren Beiträgen...

  • wird RJ aus Sicht eines Staatsanwalts aufgegriffen,
  • ein Pilotprojekt zu "Opfer-Täter-Dialogen" in der JVA-Lenzburg vorgestellt (Projektleitung ist Claudia Christen-Schneider, Präsidentin des Schweizer Forums für Restaurative Justiz),
  • werden Erfahrungen von einer betroffenen sowie drei tatverantwortlichen Personen, die an dem Projekt teilgenommen haben, geschildert,
  • wird Jean-Marc Knobel, Vizepräsident der Vereinigung für Restaurative Justiz in der Schweiz (AJURES) interviewt,
  • schreibt der Filmemacher François Kohler über seinen neuen Dokumentarfilm "Je ne te voyais pas", der sich mit RJ auseinandersetzt.

In verschiedenen Beiträgen lassen so manche Formulierungen erahnen, dass hier der Begriff und die Philosophie einer Restorative Justice (z. B. im Sinne Nils Christies - "Konflikte als Eigentum") stark verwässert werden. So schreibt z. B. Staatsanwalt Jean-Paul Ros von "'restaurativen Anstößen' im Strafverfahren" und meint damit nicht nur Schlichtungen durch eine Fachperson, sondern verschiedene Instrumente zur Wiedergutmachung, wie z. B. "Vergleichsverhandlungen unter Leitung der Staatsanwaltschaft" oder gar die Therapie des Täters. Ebenso darf kritisch gefragt werden, inwiefern von "einer idealen personellen Zusammensetzung" in der Durchführung von "Opfer-Täter-Dialogen" in einer JVA gesprochen werden sollte, wenn die Mediatorin stets von zwei Gefängnisleitern begleitet wird. Zu guter Letzt bleibt im Zusammenhang mit dem Begriff Restorative Justice ("Heilende Gerechtigkeit") ein bitterer Beigeschmack, wenn am Ende eines Artikels - über die positiven Auswirkungen eines solchen Angebots auf die Inhaftierten - festgehalten wird, dass zwei von den drei gebürtigen Schweizern nach ihrer Haft in das Heimatland ihrer Vorfahren "ausgeschafft" werden. Im Gesamten weist diese Form der Standortbestimmung von RJ in der Schweiz auf ein eben doch noch sehr RJ-skeptisches kriminalpolitisches Klima hin.

Neben der Vorstellung des Modellprojektes ist ein besonderes Highlight der Ausgabe das Interview mit Mirijam N. - sie war 19 Jahre alt, als ihr Bruder ihre Großeltern tötete; die Teilnahme am Modellprojekt half ihr bei der Aufarbeitung ihrer Geschichte.

Hier können Sie das gesamte Heft kostenlos in PDF-Form downloaden.

 

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz 

Mitglied im:

European Forum for Restorative Justice Bundesverband Meditation

 

 

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