SZ-Reportagenreihe "Acht Häftlinge"

In Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung, dem Bayerischen Rundfunk und Correctiv ist in den vergangenen Monaten die achtteilige Reportage "Acht Häftlinge" erschienen. "Monatelang traf sich der Autor Alexander Krützfeldt mit Insassen deutscher Gefängnisse zu langen Gesprächen, wie ihr Leben hinter Gittern aussieht: Über den Alltag, Schmuggelkanäle, über interne Hierarchien. Aber auch über ihre Ängste und Gefühle" (Correctiv).

In den Reportagen wird sehr deutlich, dass die Denkmuster, Überlebensstrategien und Fähigkeiten, die die Inhaftierten im Verlauf ihrer Haftstrafen entwickeln, sich kaum dazu eignen, um eines Tages die Herausforderungen eines verantwortungsvollen, vielleicht sogar zufriedenen Lebens in Freiheit und ohne Straftaten bewältigen zu können.

Der fremdbestimmte, häufig frustrierende Vollzugsalltag erfordert eine hohe Anpassungsfähigkeit der Gefangenen an das Machtgefälle sowie an die hierarchischen, bürokratischen Strukturen und Abläufe der totalen Institution, die in besonderem Maße der Sicherheit und Ordnung dienen. Unter den Gefangenen wiederum gilt das Recht des Stärkeren, das durch körperliche Dominanz und Gruppenbildung 'gelebt' wird. Der Respekt gegenüber anderen Menschen, die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme für die eigenen Taten, die Fähigkeiten zum selbstständigen, weitsichtigen Handeln und zur friedlichen Konfliktlösung können in diesem System kaum nachhaltig gefördert werden.

Nach dem Lesen dieser Reportagen stellt sich ein weiteres Mal die Frage, wem am Ende mit dem Vollzug der Freiheitsstrafe gedient ist: Den Tatverantwortlichen, den Tatbetroffenen, der Gesellschaft? Und: Wie könnten Alternativen aussehen? Wissenschaft und Praxis der Restorative Justice liefern dazu seit mehreren Jahrzehnten sehr vielfältige, differenzierte und Mut machende Antworten...

Hier können Sie die acht Folgen nachlesen, am 25. August 2017 wurde auf youtube.com ein Interview mit dem Autor veröffentlicht.

 

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